Was ist Badminton?



"Wenn Badminton einfach währe, hieße es Fußball"

Dieser, zumindest unter Badminton-Spielern, bekannte Satz ist tatsächlich nicht nur einfach so dahergeredet. Das sollen die folgenden Zeilen belegen: Badminton ist eine extrem schnelle und explosive Sportart. Neben einer sehr guten Hand-Augenkoordination benötigt ein Badmintonspieler Explosivität und blitzschnelle Reflexe. Spitzenspieler erreichen eine Geschwindigkeit des Federballes von bis zu 280 km/h - das ist schneller als der schnellste Aufschlag beim Tennis. Beim Doppel kommt es teilweise zu 40-50 Ballkontakten innerhalb von 20 Sekunden! So verläuft dann auch ein typisches Badmintonmatch: hochkonzentrierte Action, laufen springen, drehen, strecken, rückwärts laufen und schlagen. Jeder Quadratzentimeter des Spielfeldes wird ausgenutzt. Während eines typischen 3 Satz Matches (Spieldauer ca. 45 Minuten) ist der Federball ca. 20 Minuten im Spiel. In diesen 20 Minuten macht der Spieler mindestens 350 Richtungswechsel von 90 Grad oder mehr und schlägt den Ball etwa 400 mal. Ungefähr 150 dieser Schläge werden mit dem ganzen Arm ausgeführt, andere nur aus dem Handgelenk heraus. Das in der Badminton-Szene viel zitierte, oft vereinfacht oder unvollständig wiedergegebene Zitat von Martin Knupp, einem Autor vieler Badminton-Lehrbücher, soll dies verdeutlichen: Ein Badmintonspieler sollte verfügen über die Ausdauer eines Marathonläufers, die Schnelligkeit eines Sprinters, die Sprungkraft eines Hochspringers, die Armkraft eines Speerwerfers, die Schlagstärke eines Schmiedes, die Gewandtheit einer Artistin, die Reaktionsfähigkeit eines Fechters, die Konzentrationsfähigkeit eines Schachspielers, die Menschenkenntnis eines Staubsaugervertreters, die psychische Härte eines Arktisforschers, die Nervenstärke eines Sprengmeisters, die Rücksichtslosigkeit eines Kolonialherren, die Besessenheit eines Bergsteigers sowie über die Intuition und Phantasie eines Künstlers. Weil diese Eigenschaften so selten in einer Person versammelt sind, gibt es so wenig gute Badmintonspieler. (Martin Knupp, Yonex-Badminton-Jahrbuch 1986) Diese metaphorisch formulierten Ansprüche werden, zumindest was die körperliche Fitness betrifft, durch einen wissenschaftlich nicht bestätigten Vergleich dänischer Sportjournalisten untermauert. Verglichen wurde das Badminton-WM-Finale von 1985 in Calgary zwischen Han Jian (China) und Morten Frost (Dänemark) mit dem Tennis-Endspiel von Wimbledon im gleichen Jahr zwischen Boris Becker und Kevin Curren. Die Analyse beider Spiele liefert interessante Hinweise auf die Belastung bei beiden Sportarten:



Tennis: Becker vs. CurrenBadminton: Han vs. Frost



Ergebis6:3, 6:7, 7:6, 6:414:18, 15:10, 15:8
Gesamtdauer3 Std. und 18 Min1 Std. und 16 Min.
Reine Spielzeit18 Min. (=9%)37 Min. (=48%)
Ballwechsel299146
Ballberührungen (Schläge)10041972
Ballberührungen pro Ballwechsel3,415,5
Gelaufene Streckeca. 3,2 kmca. 6,4 km


Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, dass die Badmintonspieler in weniger als der Hälfte der Zeit etwa doppelt so viel liefen und etwa doppelt so viele Ballberührungen hatten. Dies ist allerdings vor dem Hintergrund der Tatsache zu sehen, dass Rasentennisspiele wie das hier zum Vergleich herangezogene Wimbledon-Finale in dieser Beziehung für die Sportart Tennis eher untypisch sind. Besonders bei aufschlagstarken Serve&Volley-Spielern wie Becker und Curren sind auf diesem Belag die Ballwechsel und damit die Laufwege extrem kurz, und die körperliche Belastung ist entsprechend niedrig.  

Schade, dass Badminton trotz dieser Attraktivität in Deutschland immer noch eine Randsportart ist.